Psychotherapeutenkammer Niedersachsen

Körperschaft öffentlichen Rechts

Leisewitzstr. 47
30175 Hannover


Ratsuchende und Patienten
Versorgung von Flüchtlingen
Psychosoziale Notfallhilfen
Schlichtung
Gutachter für Schuldfähigkeit / Prognose und Psychotherapeuten von Straftätern
Familienrecht
Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage
Sozial-, Zivil- und Verwaltungsrecht
Sexualtherapie
Qualifizierte Palliativ-Behandler
Kinderschutz


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Was Sie über Psychotherapie wissen möchten ....

Psychotherapie ...

…. ist heute ein wichtiger Faktor im Gesundheitswesen, denn:

Im Kampf gegen Ängste, Stress, Depression und andere Störungen

  • bietet die Psychotherapie überzeugende Lösungen an
  • Psychische Störungen stehen als Ursache von Arbeitsunfähigkeit an vierter Stelle
  • Jede dritte Frühverrentung beruht auf psychischen und Verhaltensstörungen
  • Psychische Störungen entwickeln sich zu Volkskrankheiten.

Psychotherapie ist nicht mehr tabu.

Ein Wandel ist eingetreten: Während noch vor wenigen Jahren viele Menschen große Hemmungen hatten, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, sagen heute nur noch

  • weniger als 30%, eine Psychotherapie käme für sie selbst "auf keinen Fall" in Frage
  • weniger als 40%, es wäre ihnen peinlich, wenn Nachbarn und Bekannte "davon" erführen.

Psychotherapie - was ist das?

Psychotherapie ist die Behandlung von Krankheiten mit Mitteln, die Verstehen, Sprache und Beziehung in den Vordergrund stellen.

Was heißt das praktisch?

"Wenn ich Sorgen habe, hilft es mir, wenn ich mit jemandem darüber reden kann, der mir zuhört, schon mal kritisch nachfragt oder seine Meinung sagt und mit mir überlegt, was ich anders machen könnte und vielleicht auch beim Ausprobieren hilft."

Das ist auch schon das Grundprinzip von Psychotherapie: Aufmerksam zuhören, im richtigen Moment nachfragen, sensibel seine Meinung sagen, Lösungen mitentwickeln und nicht mit Vorschlägen überrumpeln - je gekonnter das geschieht, umso näher kommt das an professionelle Therapie heran.

Psychotherapie ist die professionelle Anwendung von wissenschaftlich entwickelten Verfahren, Methoden und Techniken zur Feststellung, Heilung und Linderung von psychisch verwurzelten Problemen und Krankheiten. Auch die Vorsorge, dass es in problematischen Lebenslagen erst gar nicht soweit kommt, und Hilfe zur Selbsthilfe sind Aufgaben der Psychotherapie.

In der Psychotherapie geht es um sehr persönliche Dinge. Vorgespräche dienen der Abklärung der Problematik. Danach einigen sich Psychotherapeut und Patient über die Art und den Rahmen der Behandlung. Dabei ist der persönliche Eindruck des Patienten ebenso wichtig wie die professionelle Einschätzung. Meist findet die Behandlung als Einzelbehandlung statt. Patient und Therapeut sitzen sich gegenüber, Behandlung im Liegen auf der Couch findet nur in der analytischen Einzelpsychotherapie statt. Je nach Problemlage und Art der Behandlung dauert eine psychotherapeutische Behandlung zwischen 15 und - selten - bis zu 300 Stunden. Für die Behandlung bestimmter, oft sozial bedingter Probleme ist es recht effektiv, Psychotherapie auch in kleinen Gruppen durchzuführen.

"Obwohl ich es bräuchte, sträubt sich doch immer noch etwas in mir…"

Genau. Und das geht nicht nur Ihnen so. Vielleicht kennen Sie "Die Angst vor dem Zahnarzt", denn das Bohren ist ja nicht so angenehm. Kaum jemand breitet sein Leid gerne vor einem anderen aus - und eigentlich auch nicht vor sich selbst, meist aus Scham oder Angst, es könnte auch hier das "Bohren" weh tun. Aber es ist wie beim Zahnarzt: Ohne wird's noch schlimmer, und letztlich hilft da nur eins…

Wohin und zu wem soll ich gehen?

Psychotherapie wird sowohl in psychotherapeutischen Praxen als auch in Kliniken und anderen Einrichtungen angeboten.

Psychotherapie ist die Ausübung eines Heilberufs. Über die Qualität der Ausübung des Berufs wachen die berufsständischen Kammern. Im Fall der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind dies die Psychotherapeutenkammern . Für die Ausübung des Berufs als Psychotherapeutin oder als Psychotherapeut ist eine 8 bis 10jährige staatlich kontrollierte Ausbildungen und die Approbation, d.h. die staatliche Anerkennung der Qualifikation, erforderlich. Der Titel "Psychotherapeutin / Psychotherapeut" ist gesetzlich geschützt.

Je nach spezieller Ausbildungsrichtung und Tätigkeitsschwerpunkt gibt es verschiedene Berufsgruppen, die Psychotherapie anbieten: In der Liste der norddeutschen Psychotherapeutenkammern finden sie:

  • Die Psychologischen Psychotherapeuten, die in der Regel Erwachsene behandeln
  • Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die Kinder und junge Patienten bis zum 21. Lebensjahr behandeln.

Listen von ärztlichen Psychotherapeuten, die verschiedenen Facharztgruppen (Psychiatern, Fachärzten für psychotherapeutische Medizin, etc) angehören können, entnehmen sie den Seiten der Ärztekammern oder der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Wer bezahlt Psychotherapie?

  • Gesetzliche Krankenkassen
  • Private Krankenversicherungen
  • Beihilfe
  • Privatpersonen.

Wer in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat auf die Behandlung psychischer Krankheiten den gleichen Anspruch wie auf jede andere medizinische Versorgung. In diesem Rahmen wird ambulante Psychotherapie von staatlich anerkannten, approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durchgeführt, die eine Kassenzulassung besitzen.

Private Krankenversicherungen übernehmen im Umfang der im Vertrag geregelten Leistungen ebenfalls die Kosten für Psychotherapie.

Beamten und Beschäftigten im öffentlichen Dienst leistet die Beihilfe die üblichen Zuschüsse.

Psychotherapeutische Behandlungen in stationären Einrichtungen werden über die Pflegesätze von den gesetzlichen Krankenkassen, privaten Krankenversicherungen und der Beihilfe getragen.

Selbstverständlich können Sie Leistungen von Psychotherapeuten auch selbst bezahlen, z.B. wenn Sie sich für eine Psychotherapieart entscheiden, für die die die Krankenkassen und Krankenversicherungen (bisher) noch nicht die Kosten übernehmen. Für die Honorierung gilt dann die Gebührenordnung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (GOP).

Leistungen von Psychotherapeuten, die keine Krankenbehandlung, sondern z.B. Beratung darstellen, werden ebenfalls gemäß GOP privat in Rechnung gestellt.

Brauche ich wirklich Psychotherapie?

"Mit einem Schnupfen gehe ich nicht gleich zum Arzt!"

Richtig. Wenn zum Schnupfen aber hohes Fieber hinzukommt, dann ist es Zeit, zum Arzt zu gehen und sich behandeln zu lassen.

Wenn Sie nach einer schmerzhaften Trennung sehr traurig sind und zunächst nichts mehr sehen und hören mögen, dann ist das schlimm. Letztlich werden Sie diese Schmerzen selbst überwinden, besonders dann, wenn Ihnen Bekannte, Freunde und Familienangehörige zur Seite stehen. Sollten Angst und Panik aber ohne erkennbaren Anlass auftauchen oder die Niedergeschlagenheit nach einem schweren Schlag Wochen und Monate lang anhalten, Ängste und Gefühle von Sinnlosigkeit hinzukommen, Ihre Freunde und Bekannten sich um Sie Sorgen machen - was dann?

Das sind Anzeichen, dass professionelle psychotherapeutische Hilfe angezeigt ist. Und besser sofort, als die Probleme über Monate oder gar Jahre verhärten zu lassen.

Auch bei andauerndem Suchtverhalten sollten Sie professionelle Hilfe suchen. Permanente Konflikte in der Familie oder am Arbeitsplatz können ebenfalls Hinweise auf einen Therapiebedarf sein. Unverarbeitete traumatische Erfahrungen wie Unfälle, Gewalt, Vergewaltigung und Verfolgung belasten Menschen oft über Jahre und können mit Hilfe einer psychotherapeutischen Behandlung gelindert werden.

Auch Erkrankungen wie Asthma, Bluthochdruck oder Muskelverspannungen können psychische Ursachen haben. Generell gilt:

Psychische Probleme sind kein persönliches Versagen.

Wie bei körperlichen Krankheiten ist die Hilfe von Fachleuten notwendig. Der gesunde Menschenverstand reicht weder zur Bewältigung eines schweren körperlichen noch eines andauernden psychischen Leidens aus. Zumindest eine professionelle Erstberatung sollte in Anspruch genommen werden, wenn mehrere der folgenden Symptome auftreten:

  • unergründbare Angst
  • stundenlanges Grübeln
  • innere Leere und Unruhe
  • unangemessene Schuldgefühle
  • unangemessene Vorwürfe gegen sich selbst und andere
  • häufige, unvermittelte Wutausbrüche
  • andauernde Müdigkeit
  • andauernde Schlaflosigkeit
  • Kloßgefühl im Hals
  • Beklemmung in der Brust
  • deprimierende sexuelle Unlust
  • Potenzprobleme

 

Auch chronische Krankheiten wie z.B.

  • Herzbeschwerden
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen

können psychische Faktoren beinhalten.

Nicht selten liegen enge Wechselwirkungen vor zwischen psychischen Konflikten und somatischen Symptomen wie

  • Asthma
  • Allergien
  • Hauterkrankungen
  • Bluthochdruck oder
  • Diabetes.

Welche Art von Psychotherapie brauche ich?

Bis auf wenige Ausnahmen gibt es bis heute keinen wissenschaftlich abgesicherten Nachweis, welche Art von Psychotherapie für welche Störung besonders geeignet ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen für analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie die Kosten, für andere psychotherapeutische Verfahren (z.B. Gesprächspsychotherapie, Systemische Therapie) - bisher - nicht.

Ein ganz anderer Gesichtspunkt als die Psychotherapieart ist für die Entscheidung meistens ausschlaggebend: Niemand will sein Leid vor jemandem ausbreiten, der ihm unsympathisch ist. Ganz wichtig ist es deshalb, dass sie sich bei Ihrem Therapeuten "gut aufgehoben" fühlen. Ist das nicht der Fall, probieren Sie es bei einem anderen. Krankenkassen und Krankenversicherungen bezahlen ohne besondere Formalitäten bis zu 5, für psychoanlalytische Behandlungen bis zu 8 dieser so genannten "Probatorischen Sitzungen".

Auch Kinder und Jugendliche können Psychotherapie benötigen!

Viele Eltern fragen sich, ob die Probleme ihrer Kinder "normal" sind oder einer besonderen Behandlung bedürfen. Bestimmte Erfahrungen können für Kinder oder Jugendliche eine außerordentliche Belastung darstellen, die sie nur mit psychotherapeutischer Hilfe meistern können. Dazu gehören z.B.

  • das Zerbrechen der Familie
  • die Geburt eines Geschwisters
  • ein Umzug
  • der Tod von Familienmitgliedern
  • eine schwere Krankheit.

Aber auch unvermeidliche psychische Entwicklungsschritte stellen für manche Kinder und Jugendliche Überforderungen dar und führen zu Krisen. Dies kann die Aufnahme in den Kindergarten, die Einschulung oder die Pubertät mit der Ablösung von den Eltern und dem Aufbau eines eigenen Lebens mit einer klaren geschlechtlichen und sozialen Identität sein.

Es ist dann ratsam, professionelle Hilfe zu suchen, wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind oder auch sie selbst sehr unter einem Problem leiden oder dass sie nicht in der Lage sind, ihr Kind in seiner Entwicklung zu unterstützen.

Bei folgenden Anzeichen sollte psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden:

  • Beginnende Beziehungsstörung zwischen Säugling und Eltern
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Fütter- und Gedeihstörungen
  • Kinder bewältigen altersgemäße Entwicklungsschritte nicht wie
    • sauber und trocken werden
    • Kontakt zu anderen Kindern aufnehmen
    • Trennung von den Eltern in Kindergarten und Schule ertragen
  • Altersunangemessenes Einnässen und Einkoten
  • Sprachstörungen, z.B. Sprachentwicklungsstörungen, Stottern
  • Hyperkinetisches Syndrom, mangelnde Konzentration, Lernstörungen, große motorische Unruhe
  • Kontakt- und Beziehungsstörungen
  • körperliche Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Bauchschmerzen mit unklarem medizinischem Befund
  • Essstörungen (wie Magersucht, Ess-Brechsucht und Esssucht)
  • Suchtverhalten
  • Rückzugsverhalten
  • Selbstverletzendes Verhalten wie Schneiden und Ritzen der Haut
  • Unsoziales Verhalten wie Stehlen, Weglaufen, Schule schwänzen, Aggressionen.

Wie finde ich die richtige Therapeutin, den richtigen Therapeuten?

Wenn es auch zunehmend immer selbstverständlicher wird, hier nicht anders vorzugehen, als wenn man einen Arzt oder Zahnarzt sucht, bei Freunden und Bekannten und natürlich beim Hausarzt nach Empfehlungen fragt oder einfach in den "Gelben Seiten" nach einer Adresse sucht, ist es schon verständlich, wenn man mit seinen so ganz persönlichen Problemen nicht gerne zu jemandem gehen möchte, der einem erst mal ganz fremd ist. So ermuntern wir Sie, Schritt für Schritt vorzugehen:

 

1. Schritt - Suche nach einer Adresse über:

 

2. Schritt - Telefonkontakt mit Therapeuten. Frage nach:

  • Approbation,
  • Kassenzulassung oder Privatliquidation
  • Termin für Erstgespräch
  • freien Behandlungsplätzen

3. Schritt - Vorgespräche (bis zu 5 bzw. 8) zur Klärung der Fragen:

  • Ist Psychotherapie in meinem Fall notwendig?
  • stimmt die "Chemie"?
  • Diagnose und Behandlungsziele?
  • Art und Umfang der Behandlung?

4. Schritt: Behandlungsvertrag

  • Antragsstellung an Krankenkasse, Krankenversicherung, Beihilfe
  • Kostenvoranschlag für private Finanzierung

Gutes Gelingen wünscht Ihnen Ihre Psychotherapeutenkammer

 

Wo finde ich weitere Informationen?

Weiterführende Informationen finden Sie in der Broschüre der BPtK "Wege
zur Psychotherapie"
, welche auch in englischer und türkischer
Sprache herausgegeben wird. Hier können Sie die Broschüre kostenlos hierunterladen.


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Pressemitteilung der BPtK

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