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Mehr Anstrengungen bei der Prävention psychischer Erkrankungen notwendig

Psychotherapeutenkammer Niedersachsen legt Handlungsempfehlungen zur Verbesserung präventiver Angebote und Maßnahmen vor

Hannover, 8. April 2026

In einer gemeinsamen Pressemitteilung im Januar 2026 fordern die Verbände der gesetzlichen Krankenversicherungen, dass das „Angebot von qualitätsgeprüften Präventionskursen wächst (…) “. Gleichzeitig mahnt die Partner-Allianz aus Medizin & Gesundheit, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft an, dass Deutschland eine nationale Strategie für mehr Prävention brauche. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet derzeit am Referentenentwurf für ein neues Präventionsgesetz, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll.

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen begrüßt die geplante Stärkung der Strategie, Erkrankungen zu begegnen, in dem man fördert, was Gesundheit erhält. Die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Dr. Kristina Schütz, fokussiert dabei vor allem die psychische Gesundheit: „Trotz einer hohen Zahl von Präventionsangeboten stagniert die Krankheitslast auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig nehmen chronische Belastungen aus Lebens-, Um- und Arbeitswelt zu, die sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken. Das alles führt dazu, dass psychische Erkrankungen mittlerweile zu den häufigsten Krankheitsgründen in allen Altersgruppen zählen. Hier braucht es definitiv stärkere Anstrengungen.“

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen fordert daher, dass die psychische Gesundheit stets mitgedacht wird und setzt sich für eine evidenzbasierte Diskussion und folgende daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen ein, die bestehende und neue Präventionsstrategien in ihrer Wirksamkeit verbessern können:

  • Die psychische Gesundheit junger Menschen stellt eine andauernde gesellschaftliche Herausforderung dar. In Kindheit und Jugend wird das Fundament für ein gesundes Leben gelegt. Förderliche Lebensbedingungen, sowie langfristige und zielgerichtete Präventions- und Interventionsmaßnahmen sind notwendig, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Je jünger die Kinder sind, desto mehr sind dabei auch deren Eltern zu berücksichtigen. Es braucht vor allem für Kinder und Jugendliche niedrigschwellige Gruppenangebote zur Prävention psychischer Erkrankungen, die noch ohne Diagnosestellung in den Praxen niedergelassener Kinder- und Jugendlichentherapeut*innen kostendeckend durchgeführt werden können. Hierzu gibt es bereits gute Erfahrungen aus Modellprojekten in Bayern und NRW.
  • Kindertagesstätten und Schulen sind von entscheidender Bedeutung. Es bedarf einer Stärkung vor allem der Schulen in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung nicht nur Bildungsort sondern auch Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu sein, die ihren Beitrag zum gesunden Aufwachsen beiträgt. Dabei sollten sowohl die psychische Gesundheit betreffende schulinterne Angebote als auch die Schnittstellen zu außerschulischen Hilfen weiterentwickelt werden.
  • Prävention sollte über den Tellerrand hinausgedacht werden: Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen fordert eine Zusammenarbeit der beteiligten Ministerien (insbesondere Gesundheits- und Kultusministerium), um präventives Handeln und Präventionsprogramme in Schulen und Universitäten mit dem Gesundheitssystem zu vernetzen und eine Verstetigung zu ermöglichen.
  • Psychotherapeut*innen brauchen Befugnisse zur Verordnung präventiver Leistungen im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde. Es muss freiwillige Vorsorgemöglichkeiten in psychotherapeutischen Praxen und Einrichtungen, einen „Check Up Psyche“, geben. Denn nur vor dem Auftreten einer manifesten Erkrankung macht Prävention Sinn. Wenn die Suche nach Kursen oder Angeboten erst erfolgt, wenn bereits Beschwerden bestehen, ist diese oft weniger effektiv.
  • Die Begleitung einer Präventionsmaßnahme durch eine*n Psychotherapeut*in oder Hausärzt*in ist zentral für den Wirkerfolg und die Verstetigung. Digitale Angebote brauchen für optimale Ergebnisse zudem eine menschliche Interaktion. Studien zeigen, dass die Ergebnisse durch reale Begegnung und persönliche Besprechung verbessert werden und die Abbruchquoten sinken. Zudem muss für Behandler*in und Verbraucher*in gleichermaßen eine hohe Transparenz der Angebote und deren Qualitätsstandards sichtbar sein.

„Wir erleben in Praxen, Kliniken und Beratungsstellen eine Menge von Anfragen, die kaum zu bewältigen ist. Prävention ist daher notwendig und kein ‚nice to have‘. Es braucht keine weiteren und immer neuen Programme, sondern die bestehenden, qualitativ hochwertigen Angebote müssen mit der Regelversorgung verzahnt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten können und das psychotherapeutische Versorgungssystem nachhaltig entlastet wird“, betont Dr. Schütz.