Reden hilft: Psychotherapie spielt zentrale Rolle bei der Vermeidung von Suiziden
PKN zum Welttag der Suizidprävention am 10. September
Hannover, 08.09.2025 – Seit 2003 macht der Internationale Tag der Suizidprävention am 10. September auf die hohe Zahl von Suiziden und auf die Möglichkeiten ihrer Verhinderung aufmerksam. Laut einer aktuellen Studie im Fachjournal Nature Mental Health sind die Suizidraten global zwar rückläufig (rund 30 % zwischen 1990 und 2021), die Todesfälle in Deutschland durch einen Suizid sind dem Statistischem Bundesamt zufolge jedoch wieder leicht gestiegen: 10.300 Menschen sind 2023 an einem Suizid verstorben. Das sind 1,8 % mehr Fälle als 2022 und 6,6 % mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Dazu kommen die weit über 100.000 Suizidversuche pro Jahr, womit Suizid in Deutschland weiterhin eine der häufigsten Todesursachen darstellt.
Dazu kommentiert die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Dr. Kristina Schütz: „Das sind noch immer besorgniserregende Zahlen, die durch den Zugang zu frühzeitiger, professioneller Hilfe gesenkt werden könnten. Menschen in Krisensituationen handeln oft impulsiv und den meisten Suiziden geht eine psychische Erkrankung voraus. Besonders bei vulnerablen Gruppen bleibt Suizid ein Risikofaktor, weshalb wir zum einen dringend mehr Behandlungskapazitäten benötigen, und zum anderen müssen niedrigschwellige Präventions- und Hilfsangebote für psychisch erkrankte und suizidgefährdete Menschen ausgebaut und finanziert werden. Gleichzeitig ist Prävention ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag: Es braucht mehr Aufklärung über psychische Erkrankungen, um die Entstigmatisierung weiter voranzutreiben.“
Passend zu diesem wichtigen Thema veranstaltete die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen am vergangenen Freitag, den 5. September, unter dem Motto „Wann reden, wann schweigen: Psychotherapeutisches Handeln bei Selbst- und Fremdgefährdung“ einen Fachtag in Hannover. Rund 100 Kammermitglieder kamen zusammen, um über berufsrechtliche Fragen u.a. zu Schutz- und Schweigepflicht, Gefahrenerkennung und -abwehr sowie den Umgang mit Suizidalität zu diskutieren. „Suizidalität ist und bleibt ein allgegenwärtiges Thema in der psychotherapeutischen Praxis. Im Rahmen solcher Veranstaltungen bleibt unsere Profession stets im Austausch, um Erfahrungswerte zu teilen und sich regelmäßig fortzubilden. Das hat im Sinne der Qualitätssicherung eine hohe Bedeutung für unsere Arbeit, um der Verantwortung gegenüber unseren betroffenen Patient*innen stets gerecht zu werden“, so Dr. Schütz. „Denn Reden hilft. Wenn sich Betroffene jemandem anvertrauen können, können diese Gespräche den Leidensdruck verringern. Der Psychotherapie kommt damit eine zentrale Schlüsselrolle zu.“
Weiterführende Informationen
Ein Experteninterview mit Dr. Peter Orzessek vom Sozialpsychiatrischen Dienst in Oldenburg zum Thema „Suizidprävention und Krisenintervention“ lesen Sie hier.
Wenn Sie Suizidgedanken haben oder bei einer anderen Person wahrnehmen: Kostenfreie Hilfe bieten in Deutschland der Notruf 112, die Telefonseelsorge 0800/1110111 und das Info-Telefon Depression 0800/3344 533. Weitere Infos und Adressen unter www.deutsche-depressionshilfe.de oder bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.