Sonderinformation zur Honorarkürzung in der Psychotherapie
Das Urteil des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Kürzung der Honorare in der ambulanten Psychotherapie hinterlässt bei vielen von uns Verständnislosigkeit und Ärger. Möglicherweise bleiben für Sie diesbezüglich einige Fragen offen, weshalb wir Ihnen hiermit einige Hintergründe erläutern möchten. Politische Prozesse sind hochkomplex und manchmal undurchsichtig und wir hoffen daher, mit diesen Informationen etwas Klarheit zu schaffen sowie zu zeigen, welche Maßnahmen aktuell ergriffen werden – und wo auch Sie ganz konkret aktiv werden können.
Welche Rolle spielt die Kammer und welche nicht?
Als Körperschaft öffentlichen Rechts haben wir einen gesetzlich definierten Handlungsauftrag, der beispielsweise die „Wahrung der gemeinsamen beruflichen Belange der Gesamtheit der Kammermitglieder im Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit“ umfasst. Diesen Auftrag nehmen Vorstand, Kammerversammlung und Geschäftsstelle sehr ernst.
Gleichzeitig ist die Kammer, ebenso wie die anderen Landespsychotherapeutenkammern oder die Bundespsychotherapeutenkammer, kein Verhandlungspartner im Bewertungsausschuss bzw. dem Erweiterten Bewertungsausschuss. Der Bewertungsausschuss besteht aus Vertreter*innen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).
Was ist in den Verhandlungen passiert?
Kommt im Bewertungsausschuss bei den jährlichen Verhandlungen keine Einigung zu Stande, kann auf Verlangen von mindestens zwei Mitgliedern der Erweiterte Bewertungsausschuss angerufen werden. Der Erweiterte Bewertungsausschuss setzt sich aus den Mitgliedern des Bewertungsausschusses sowie einem unparteiischen Vorsitzenden und zwei weiteren unparteiischen Mitgliedern zusammen.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März beschlossen, dass die Honorare für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April dieses Jahres um 4,5 Prozent abgesenkt werden. Gleichzeitig sollen die Strukturzuschläge um 14,25 Prozent angehoben werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte sich gegen die Absenkung ausgesprochen. → mehr
Wie setzt sich die Kammer aktuell konkret gegen die Honorarkürzungen ein?
Die Pressearbeit der Kammer läuft aktuell auf Hochtouren:
- Stellungnahme vom 12.03.2026
- Gemeinsame Pressemitteilung mit der Ärztekammer Niedersachsen vom 19.03.2026
- Bearbeitung von Anfragen verschiedener Lokalmedien, u.a. Dreharbeiten mit dem NDR – Ausstrahlung bei „Hallo Niedersachsen“ am Samstag, 21.03.2026. → Zum Beitrag
Darüber hinaus führt der Vorstand bilaterale Gespräche mit Abgeordneten aus Landes- und Bundespolitik und nutzt zahlreiche bestehende Gesprächskanäle, um die Positionen des Berufsstands einzubringen. Auch in verschiedensten Gremien macht der Vorstand seinen Einfluss geltend.
Auch die Bundespsychotherapeutenkammer hat sich bereits mit zwei Pressemitteilungen zu Wort gemeldet:
- Absenkung der psychotherapeutischen Honorare inakzeptabel – BPtK kritisiert Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses scharf
- Gemeinsam gegen die Kürzung psychotherapeutischer Leistungen – BPtK begrüßt Ankündigung der KBV
Pressemitteilungen und Aktivitäten anderer Institutionen und Berufsverbände
- Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
- Pressemitteilung des Landespatientenschutzes Niedersachsen
- Pressemitteilung des Sozialverbands Deutschlands (Landesverband Niedersachsen)
- Klage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg
- Die Berufsverbände rufen zu Protesten auf und starten Petitionen. Ausführliche Informationen und Materialien finden Sie u.a. bei DPtV, bvvp oder DGVT.
- Zudem wurde eine Bundestagspetition eingereicht. Diese befindet sich zurzeit in Prüfung. Sobald sie veröffentlicht ist, werden Aktive und Verbände darüber informieren.
Berichterstattung im Deutschen Ärzteblatt
- Absenkung der psychotherapeutischen Honorare stößt auf massive Proteste
- Psychotherapeuten wenden sich wegen Honorarabsenkung ans Ministerium
- Klage gegen Kürzungen psychotherapeutischer Leistungen angekündigt
Was können Sie tun?
Helfen Sie dabei, den öffentlichen Druck hochzuhalten. Nehmen Sie an Protesten teil, schreiben Sie auch gerne Abgeordnete des Landes und des Bundes an und zeichnen Sie die Bundestagspetition, sobald sie veröffentlicht ist. Wir werden Sie dazu auf dem Laufenden halten.
Vielen Dank für Ihren Einsatz und mit besten Grüßen vom Vorstand,
Dr. Kristina Schütz, Andra Habermann, Jörg Hermann, Kordula Horstmann, Götz Schwope, Andreas Kretschmar